Besatzung: Verluste der Ukraine im Zweiten Weltkrieg, аngerichtet durch Kommunisten und Nationalsozialisten

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Im Januar 1945 veröffentlichte der Reporter von Saturday Evening Post Edgar Snow einen Bericht über seine Ukraine-Reise. Unter anderem schrieb er, dass der Krieg, den manche „russischen Ruhm“ nennen, „fairerweise vor allem als ukrainischer Krieg bezeichnet werden sollte, weil Städte, Industrie, Landwirtschaft und Bevölkerung keines anderen europäischen Landes so schwere Zerstörungen erfahren“ hätten.

Am 22. Juni 1941 marschierten die Nazis in der Ukraine ein: der erste Tag der Besatzung – genau vor 80 Jahren.

Die Karte wurde am 23. Juni korrigiert und aktualisiert
Die Karte wurde am 23. Juni korrigiert und aktualisiert

Gesamtverluste der UdSSR

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Menschliche Opfer der Ukraine – über 10 Mio.

55 Jahre nach dem Ende des Krieges wurde Im Rahmen der Vorbereitung des gesamtukrainischen „Gedächtnisbuches“ durch akribische Forschung in den Archiven folgende Zahlen ermittelt: die Zahl der durch Kampfhandlungen getöteten betrug 4,1 Mio. Menschen.

Auf dem Territorium der von der Hitlerarmee besetzen Ukraine sind über 5,7 Mio. Menschen (4,148 Mio. Zivilisten und 1,571 Mio. Kriegsgefangene) umgekommen. Unter den Getöteten: 1,5 Mio. Juden.

2,4 Mio. Ukrainer wurden deportiert.
400-450 Tausend verloren dabei ihr Leben.

Zum 1. Januar 1941 lebten in der Ukraine innerhalb ihrer heutigen Grenzen (inklusive der Krim und jener Teile der Westgebiete, die damals zu anderen Staaten gehörten) 42,9 Millionen Menschen. Erst 1960 wurde diese Zahl wieder erreicht. Das ist eine der schrecklichsten Folgen des Krieges.
Zum 1. Januar 1941 lebten in der Ukraine innerhalb ihrer heutigen Grenzen (inklusive der Krim und jener Teile der Westgebiete, die damals zu anderen Staaten gehörten) 42,9 Millionen Menschen. Erst 1960 wurde diese Zahl wieder erreicht. Das ist eine der schrecklichsten Folgen des Krieges.

1946-47 Hungersnot in der Sowjetukraine

In der zweiten Hälfte des Jahres 1946 breitete sich in ukrainischen Dörfern die Hungersnot aus, verursacht durch eine immense Dürre. Die Hungersnot brach auch in anderen Regionen der UdSSR aus.

Die Moskauer Regierung exportierte jedoch die Getreideernte nach Bulgarien, Rumänien, Polen und in die Tschechoslowakei. Im April 1946 wurde ein Abkommen mit Frankreich über die Lieferung von 500 Tausend Tonnen Getreide abgeschlossen. Dabei wurden diese Exporte zu Preisen unter den Weltmarktpreisen und überwiegend auf Kredit durchgeführt.

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Verhungernde Städte

Hunderttausende Einwohner ukrainischer Städte verhungerten: Massensterben ist aus Kyjiw, Dnipropetrowsk, Winnyzja, Saporischschja und Sumy bekannt. In keiner dieser Städte war „planmässige Versorgung“ der Bevölkerung vorgesehen. Häufig war es den Bauern untersagt, Lebensmittel an Städter zu verkaufen, und Städter durften keine Lebensmittel vom Land besorgen.

1943-1944 wüteten in der Ukraine Typhus, Darminfektionen, Geschlechts- und Kinderkrankheiten. Ende 1943 wurden in den von der Roten Armee besetzten Regionen der Ukraine offiziell 158 Taus. Fälle von Fleckfieber, Bauchtyphus, Rückfallfieber und Dysenterie registriert. Eine verbreitete Krankheit in den von Deutschen besetzten Gebieten war Räude, an der 23−63% der Bevölkerung litt. 

Kinder und Jugendliche litten an Dystrophie, Rachitis, Skorbut, Tuberkulose, Masern, Dysenterie und Scharlach. 

Es war eine Sonderpolitik der Nazis, den Ukrainern die medizinische Versorgung zu entziehen, um die Zahl der einheimischen Bevölkerung zu reduzieren.

680 Tage dauerte die Offensive auf dem Territorium der Ukraine. Dabei wurden mindestens 3,5 Mio. Soldaten der Sowjetarmee getötet oder verletzt.

40% der materiellen Verlusten der UdSSR im Zweiten Weltkrieg betrugen die von der Ukraine getragenen Schäden, es waren 285 Mrd. Rubel, was damals 100 Mrd. US-Dollar entsprach. 

700 Städte und 28 Taus. Dörfer wurden in der Ukraine zerstört.

45,1% Wohnhäuser: zerstört oder unbewohnbar
1,8 Mio. Wohnhäuser in Dörfern: zerstört
10 Mio. Personen wurden nach Kriegsende obdachlos.

Ebenfalls zerstört waren:

5,6 Taus. Brücken
1,916 Bahnstationen 

33 Taus. Bildungseinrichtungen

16 Taus. Betriebe

18 Taus. medizinische Einrichtungen
19,2 Taus. Bibliotheken

Die 550 besten Betriebe wurden aus der Ukraine nach Russland abtransportiert. Nach dem Krieg wurden sie nicht wieder zurückgebracht. 

Kapazitätsverluste im Wohnungs- und Kommunalsystem:

Wasserleitungen – 87,6%

Kanalisation – 88,6%, 

Kläranlagen – 87,3%, 

Kraftwerke – 88,2%, 

Gasversorgung – 80,0%

6,3 Mio. Ukrainer kämpften gegen den Nationalsozialismus in verschiedenen Armeen.

Über 6 Mio. ukrainische Bürger kämpften in der Sowjetarmee.

Die Ukrainer machten einen erheblichen Teil des Personals der Armee aus (1941–1945 wurden 34,5 Mio. Sowjetbürger in die Rote Armee einberufen). Im Führungskorps dominierten jedoch Russen.

Über 100 Tausend Menschen kämpften in der Ukrainischen Aufstandsarmee.

Bis 120 Tausend Ukrainer kämpften in den Polnischen Streitkräften. 8 Tausend von ihnen sind im ersten Kriegsmonat, im September 1939, gefallen, als Polen, zu dem damals die Westukraine gehörte, von Deutschland und der Sowjetunion überfallen wurden.

80 Tausend kämpften in den-Streitkräften der USA – das waren Amerikaner ukrainischer Abstammung

35-50 Tausend kämpften in der Canadian Army (ca. 11,4% kanadische Ukrainer).

Über 5 Tausend kämpften in der Armee und in der Résistance Frankreichs. Drei ukrainische Formationen erhielten auch den Status separater Einheiten innerhalb der französischen Widerstandsbewegung. Zwei davon wurden 1941-1942 als ukrainische Bataillone der „Schutzmannschaft“ aufgestellt und später als Teil der 30. Infanteriedivision gegen die französischen Untergrundkämpfer eingesetzt. Im August 1944 stellten sie sich aber auf die Seite der Franzosen.

11 Tausend von 15 Taus. Personen der 1. Selbstständigen Tschechoslowakischen Brigade, die im Sommer 1943 aufgestellt wurde, waren Ukrainer aus Transkarpatien.

Der Krieg um ukrainische Ressourcen

Die Ukraine war das Hauptglied von Hitlers Hungerplan, der Hungersnot für Bewohner der besetzten Gebiete der UdSSR vorsah, um zusätzliche Nahrung für die deutschen Truppen und die deutsche Bevölkerung zu gewinnen.

Die Versuche, Erträge, Traktoren und Vieh zu retten

1941 und Anfang 1942 wurden mit der Ernte auch Landmaschinen und Vieh aus den ukrainischen Dörfern nach Russland abtransportiert. Sowohl Traktoren als auch Rinder legten 1-1,5 Tausend Kilometer aus eigener Kraft zurück.

Das Motto der Ressourcen-Evakuierung, die gleichzeitig mit dem Rückzug der sowjetischen Armee erfolgte: "Nichts dem Feind überlassen!" Die verbliebenen Landmaschinen wurden ruiniert, Erträge und Lebensmittel vernichtet. 

Was übrig blieb, wurde von den Besatzern mitgenommen

Millionen ukrainische Bauern blieben in den besetzten Gebieten. Auf ihre kargen Lebensmittelvorräte – wie auch auf die Menschen/Bauern selbst – richtete sich das Begehren der deutschen Wehrmacht.

Die Dimensionen des Bauernraubes veranschaulicht eine Zahl: vom Beginn des deutschen Einmarsches bis zum September 1941 schickten deutschen Soldaten und Offiziere 11,6 Millionen Lebensmittelpakete von der Ostfront nach Deutschland.

Die Besatzer erkannten jedoch bald, dass der Raub der Lebensmittel nicht genügen würde. Sie errichteten ein System, um die Rekrutierung von Ressourcen und Arbeitskräften zu optimieren. Kollektivwirtschaften wurden erhalten und in "Staatsgüter" umbenannt. Die Bauern wurden gezwungen, 18 bis 20 Stunden am Tag zu arbeiten. Arbeitsverweigerung oder Widerstand brachten Prügel, Einäscherung der Häuser oder die Todesstrafe.

Hunger, Feuer und Vernichtung

Ab Mitte Dezember 1941 bis Ende Januar 1942 beschlagnahmten Soldaten und Polizisten in Kolchosen, in staatlichen Landwirtschaftsbetrieben und bei der Bevölkerung alle verfügbaren Brotvorräte.

In den Jahren 1942-1943 wurden Dörfer in Gebieten Kiew, Winnyzja, Schytomyr, Sumy usw. von einer Hungersnot heimgesucht.
Und im Herbst 1943 verboten die Deutschen den Bauern, Wintergetreide zu säen, weil sie bereits verstanden hatten, dass sie von der nächsten Ernte nichts mehr bekommen würden.

Nach der geheimen Anweisung des Reichsmarschalls Hermann Wilhelm Görings vom 7. September 1943 sollten die Truppen bei ihrem Rückzug die landwirtschaftlichen Grundlagen zerstören, alle Maschinen und Erträge sowie das Personal abtransportieren.

In diesem Zeitraum wurden 56.972 Traktoren, 24.556 Mähdrescher, 33.038 Drillmaschinen, 16.988 Dreschmaschinen, 45.688 Pflüge, 6.479 Motoren, 5.092 Kraftwagen und andere landwirtschaftliche Maschinen und Geräte aus der Ukraine nach Deutschland abtransportiert oder vernichtet. Sogar Karren und Schlitten hat man mitgenommen – insgesamt 1,2 Mio. Stück.

Abrechnung mit den Bauern. Vernichtete Dörfer

Während der deutschen Besatzung der Ukraine wurden über 1370 Orte zerstört. Laut Herausgebern des kommentierten Verzeichnisses "Verbrannte Dörfer " (Institut für Nationalgedächtnis der Ukraine, 2012), wurden mindestens 50 Tausend Menschen zu Opfern solcher Vergeltungsaktionen.

Die Vernichtung ukrainischer Dörfer und ihrer Bewohner war ein Teil des Generalplans Ost, der vom Dritten Reich verfolgten Strategie zur Ausrottung und Versklavung der slawischen Völker. 

Die bekannteste Geschichte, die die Umsetzung dieses Plans veranschaulicht, ist die Tragödie von Korjukiw. In dieser Kleinstadt erschossen die Besatzer am 1. und 2. März 1943 6,7 Tausend Einwohner und brannten 1290 Häuser nieder.

Es war der größte Ort Europas, der im Zweiten Weltkrieg im Rahmen einer Strafaktion von den Nazis vollständig zerstört wurde. Zu Sowjetzeiten wurde diese Tatsache verschwiegen. Bis in die 2000er Jahre gab es dort nicht einmal ein Denkmal. Dieses Schweigen lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass der Anlass für die Strafaktion ein Angriff sowjetischer Partisanen auf die deutsche Garnison in Korjukiwka war. Die Partisanengruppe, die zahlenmäßig größer als die deutsche Strafbrigade war, blieb während des Massakers im Wald und beobachtete teilnahmslos die Verbrechen der Nazis.

Das weißrussische Dorf Chatyn hingegen, wo 150 Einwohner verbrannt wurden, erwählte man zum Symbol für alle von den Nazis niedergebrannten Dörfer. Nach dem Krieg installierte man in Chatyn eine bedeutende Gedenkstätte, zu der man Busladungen von Touristen brachte. Auf diese Weise versuchten die Sowjets, von ihrem eigenen Verbrechen in jenem Ort mit dem sehr ähnlichen Namen Katyn abzulenken - dem Massenmord an polnischen Bürgern im Jahr 1940. Ironischerweise wurde dieses Massengrab nahe von Smolensk von den deutschen Besatzern entdeckt.

Die von Besatzern 1941-1944 verbrannten Dörfer

Die meisten Orte wurden dort niedergebrannt, wo sowjetische Partisanen agierten. Viele Dörfer wurden von Nazis bei ihrem Rückzug 1943-1944 zerstört.

Auf der Karte sind die unvollständigen Daten aus dem kommentierten Verzeichnis „Ukraine unter der Nazi-Besatzung: verbrannte Dörfer (1941–1944)“ Україна під нацистською окупацією: спалені села(1941–1944) dargestellt. Daten herunterladen.

Hunderte von Lagern und Ghettos in der besetzten Ukraine

Es ist unmöglich, genau zu berechnen, wie viele Ukrainer in Nazi-Lager gerieten und wie viele dort umkamen, da diese Häftlinge oft nicht als Ukrainer, sondern als sowjetische, polnische oder ungarische Staatsbürger registriert wurden.

In den Jahren 1941-1944 gründeten die Nationalsozialisten auch 78 Zwangsarbeitslager für Juden – einige befanden sich direkt in den Ghettos (in der Ukraine gab es 304 Ghettos) – 7 Strafarbeitslager, 15 Zwangsarbeitslager und 23 Abschiebelager sowie 66 Gestapo-Gefängnisse.

Die Lager in den besetzten Ostgebieten waren die brutalsten, wie auch deutsche Forscher zugeben. In allen Lagern auf dem Territorium der besetzten Ukraine gab es eine hohe Sterblichkeitsrate, Hungersnot, mangelnde medizinische Versorgung, Folter, Misshandlungen von Gefangenen und Massenvernichtung.

Lager, Gefängnisse und Ghettos in der besetzten Ukraine

Gefangene – Zivilisten und Kriegsgefangene – wurden zu harter Arbeit und zum Hundern gezwungen und ermordet

Auf der Grafik sind unvollständige Daten berücksichtigt und dargestellt, entnommen dem Handbuch über Lager, Gefängnisse und Ghettos auf dem besetzten Territorium der Ukraine (1941-1944) Довідник про табори, тюрми та гетто на окупованій території України (1941-1944) (1941-1944). Daten herunterladen.

Ostarbeiter

48% der UdSSR-Ostarbeiter stammten aus der Ukraine

Zwischen 1941 und 1944 wurden 2.402.234 Menschen aus den Gebieten der heutigen Ukraine deportiert.

Quellen:

  1. Hitler, Stalin und die Ukraine: Gnadenlose Strategien. Jurij Schapowal, 2020 Гітлер, Сталін і Україна: безжальні стратеґії, Юрій Шаповал, 2020 рік
  2. Der Zweite Weltkrieg: Ukrainischer Kontext. Jurij Schapowal, 2015
  3. Ukraine in Jahren des Zweiten Weltkrieges: Ein Versuch des neuen konzeptuellen Einsatzes. Iwan Patryljak, Mykola Borowyk, 2020
  4. Der Ukrainische Zweite Weltkrieg 1939-1945 – ein Projekt des Instituts für Nationalgedächtnis der Ukraine
  5. Demografische Verluste der Ukraine im Zweiten Weltkrieg, Olexandr Lysenko, Oleksandr Perechrest, 2015.
  6. Landwirtschaft der Ukraine in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges (1941–1945), 2010
  7. Die Ukraine unter der Nazi-Besatzung: Verbrannte Dörfer (1941–1944). Kommentiertes Verzeichnis
  8. Institut für Hungersnot-Forschungen
  9. Enzyklopädie der Ukrainischen Geschichte
  10. Ukrainische Historische Zeitschrift
  11. Repressalien gegen Militärpersonal in der Nachkriegszeity(1944-1953 рр.), Serhij Wasylenko
  12. Ukrainischer Faktor im Zweiten Weltkrieg, Oleksandr Perechrest.
  13. Gedenkstätte für totalitäre Regimes "Territorium des Terrors"
  14. Handbuch über Lager, Gefängnisse und Ghettos auf dem besetzten Territorium der Ukraine (1941-1944).. Staatskomitee für ukrainische Archive; Ukrainischer Nationalfonds “Verständigung und Versöhnung“
  15. Die Ukraine im Zweiten Weltkrieg, eine Broschüre des Instituts für Nationalgedächtnis der Ukraine.
  16. Forschungszentrum für Befreiungsbewegung.
  17. Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin. Timothy Snyder C.H. Beck, München 2011

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